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Medical Tribune |
MTD, Ausgabe 7 / 2010 |
Defizite bei Management und Informationstechnologie | |
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Studie: Praxisnetze müssen noch professioneller werden Medical Tribune Bericht BERLIN In Sachen Management, IT, Prozesse und Strukturen ist die Mehrzahl der deutschen Praxisnetze unausgereift. Dieses Ergebnis einer Studie von Wirtschaftsinformatikern der Universität Erlangen-Nürnberg aus dem Jahr 2009 wird von Netz-Verantwortlichen bestätigt. Trotz einiger Verbesserungen in den vergangenen Jahren weisen die meisten von 86 untersuchten deutschen Praxisnetzen "noch immer einen niedrigen Reifegrad" auf, erklärte Jörg Purucker, Wirtschaftsinformatiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Nürnberg-Erlangen, auf der 16. Netzkonferenz von UCB Schwarz Pharma in Berlin. Die von ihm vorgestellte Praxisnetz-Studie analysiert, wie entwickelt die Beziehungen zwischen den Akteuren sind, ob gemeinsame Ziele im Netz umgesetzt werden und welche IT-Strukturen bestehen. Demnach sind nur sieben Netze insgesamt gut entwickelt; 2006 waren es fünf. Bei der Zusammenarbeit mit Dritten hakt´s noch Bei den anderen Netzen gibt es zum Teil deutliche Defizite. So haben beispielsweise 10 % der Kooperationen keine gemeinsamen Ziele definiert. Auch die Abstimmung zwischen den Beteiligten ist bei zwei Dritteln der Netze nicht gut ausgeprägt. Während die Kooperationsintensität zwischen Haus- und Fachärzten "relativ gut" sei, gebe es in der Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie, Krankenhäusern sowie Heil- und Hilfsmittelanbietern noch deutliche Reserven, meint der Wissenschaftler. Erst 55 % der Netze verfügen über mindestens einen Vollzeit-Netzmanager. Dabei wirkt sich dieser erkennbar positiv für das Netz aus: "Das Vorhandensein eines Vollzeit-Netzmanagers korreliert mit dem Reifegrad der Netze in allen Dimensionen", so Purucker. Ebenfalls nur etwa die Hälfte der Netze verfügt über Arbeits- und Verfahrensanweisungen. Der Anteil derer, die solche Anweisungen einhalten, ist mit einem Viertel noch geringer. Die Arbeit mit Qualitätsindikatoren scheint auch keine Selbstverständlichkeit zu sein; nur 44 % der Netze messen auf diese Weise ihre Arbeit und die Zufriedenheit der Patienten. Ferner fehlen vielfach eine durchgängige elektronische Kommunikation, ein einheitliches Datenmanagement (mit dem man nachweisen kann, was man geleistet hat) und bei etwa jedem zweiten Netz die Internetpräsenz. Befragt nach Barrieren für eine optimale Kooperation gaben Netzmanager und -ärzte nahezu gleiche Antworten. Als Haupthindernisse wurden der hohe Investitionsaufwand und das mangelnde Engagement der Netzteilnehmer genannt sowie die schwierige Konsensfindung in Gremien und die fehlende IT-Unterstützung bei Verfahrensanweisungen. Ab wann lohnt sich ein Vollzeit-Netzmanager? "Die Studie zeigt, dass sich die Mehrzahl der Praxisnetze in den letzten drei Jahren nur langsam weiterentwickelt hat", lautet Puruckers Fazit. Selbst bei führenden Netzen sieht er noch Herausforderungen im Bereich der Kooperationssteuerung, um auch eine netzspezifische Vergütung aushandeln und umsetzen zu können. Derzeit gibt es nur bei rund einem Viertel der Netze Boni für die Ärzte. Die Netze müssten sich konsequent professionalisieren, "um von Kooperationspartnern ernst genommen zu werden und das Überleben langfristig zu sichern", meint der Wissenschaftler. Wie eine TED-Umfrage während der 16. Netzkonferenz zeigte, spiegelt die Praxisnetz-Studie die Realität sehr gut wider. 61 % der Teilnehmer schätzten den Reifegrad ihres eigenen Netzes mit "gering", 32,5 % mit "mittel" und nur 6,5 % mit "hoch" ein. 46 % der Teilnehmer sehen Verbesserungsbedarf bei Prozessen und Steuerung, 29 % bei Netzmanagement und 25 % bei der IT. "Uns fehlt es an einer gescheiten Praxissoftware, damit die Kollegen untereinander kommunizieren können", sagte ein Arzt aus Kassel. Ein anderer Teilnehmer betonte die Notwendigkeit eines hauptamtlichen Netzmanagers. Dagegen sei eine Online-Akte zweitrangig und erst nötig, wenn das Netz Budgetverantwortung bekomme und Einsparungen, z.B. durch vermiedene Doppeluntersuchungen, erzielen müsse. Auf die Frage aus dem Auditorium, wie groß ein Netz sein muss, um sich einen Vollzeitmanager (z.B. für 100 000 bis 120 000 Euro im Jahr) leisten zu können, lautete die Antwort: 40 bis 80 Mitglieder. Das seien die Netze mit der höchsten Verbindlichkeit. | |
Ärzte Zeitung |
ÄZ v. 26.02.2010 |
Amberger Ärztenetz setzt weiter auf Expansion | |
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Eines der am weitesten entwickelten Ärztenetze in Deutschland ist UGOM in Amberg. Gut 90 Ärzte und drei Kliniken arbeiten daran, einen Vertrag für eine Vollversorgung abzuschließen. Auch die Apotheker sollen mit ins Boot. Von Hauke Gerlof AMBERG. Netzmanager Dr. Thomas Bahr hat große Pläne. "Sein" Netz, das Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte, kurz UGOM, ist eines der am tiefsten integrierten Arztnetze in Deutschland. Schon seit einigen Jahren haben die gut 90 Ärzte, die sich dem Netz angeschlossen haben, einen Vertrag mit der AOK, der ihnen zumindest eine Teilbudgetverantwortung lässt. Die Einsparungen, die die AOK über den Vertrag erzielt, fließen zum Teil an die Kollegen im Netz zurück, 2007 und 2008 waren es jeweils Einsparungen zwischen zwei und drei Millionen Euro, wie Bahr auf der 16. Netzkonferenz, ausgerichtet von UCB Schwarz Pharma Deutschland, berichtete. Bisher, so Bahr weiter, sei es bei UGOM gelungen die Ärzte trotz aller Versuchungen, etwa durch die Hausarztverträge, bei der Stange zu halten. UGOM besteht etwa zur Hälfte aus Haus- und Fachärzten. Der Hausarztvertrag der AOK ist quasi integriert in die Vertragsbeziehung des Netzes mit der AOK zur Integrierten Versorgung nach Paragraf 140 ff. "Wir haben es geschafft, die Zahlung von 82 Euro Fallwert zu leisten, sogar noch vor dem Hausärzteverband", sagte Bahr auf der Veranstaltung in Berlin - nicht ohne Stolz. Als nächsten Schritt strebe UGOM an, die volle Budgetverantwortung für Patienten in der Region (Capitation) zu übernehmen, erläuterte Bahr weiter. Die Kliniken, die ja selbst Mitglied im Netz sind, seien dazu bereit, allerdings sei die Budgetbereinigung schwierig. Bisher noch nicht im Boot bei UGOM sind Apotheker. Das soll sich aber ändern, so Bahr: "Ohne Apotheker ist eine anspruchsvolle regionale Vollversorgung nicht zu machen." Dabei hat er viele Ideen für eine Kooperation, auch ohne die Restriktionen der Berufsordnung zu verletzen, zum Beispiel:
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Quelle: www.aerztezeitung.de | |
Ärzte Zeitung |
ÄZ v. 11.02.10 |
Arztnetze setzen auf Vollzeitmanagement | |
BERLIN(ger). Praxisnetze setzen beim Management ihrer Strukturen zunehmend auf ein professionelles Management. Bei der Praxisnetzstudie 2009 hätten 55 Prozent der beteiligten Arztnetze angegeben, von einem Management in Vollzeit geführt zu werden, sagte Jörg Purucker von der Universität Erlangen-Nürnberg auf der 16. Netzkonferenz von UCB Schwarz Pharma Deutschland in Berlin. Drei Jahre zuvor seien es noch 22 Prozent gewesen. | |
Quelle: www.aerztezeitung.de | |
Ärzte Zeitung |
ÄZ v. 01.02.10 |
Politik wartet auf Vorschläge für Ranglisten | |
BERLIN (ger). Wenn Ärzte eine Beschneidung des Leistungskatalogs in der Gesetzlichen Krankenversicherung fordern, um das Ausgabenwachstum zu begrenzen, dann sollen sie auch eigene Ideen dafür einbringen. Das hat Bundestagsmitglied und Gesundheitsexperte Dr. Rolf Koschorrek (CDU) auf der 16. Netzkonferenz vor rund 200 Vertretern von Arztnetzen in Berlin gefordert.
In der Debatte um die Priorisierung von Leistungen hat die Bundesärztekammer bisher eher die Politiker in der Pflicht gesehen. Auf der von UCB Schwarz Pharma organisierten Konferenz zur Situation von Praxisnetzen in der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion drehte Koschorrek, der Obmann der CDU-Fraktion im Gesundheitsausschuss des Bundestages ist, den Spieß um: "Kommen Sie mit konkreten Vorschlägen", sagte Koschorrek, als ein Arzt in der Diskussion forderte, an den Leistungskatalog heranzugehen, um die Finanzierungsprobleme in der GKV zu lösen. | |
Quelle: www.aerztezeitung.de | |
Ärzte Zeitung |
ÄZ v. 02.02.10 |
MVZ ohne Drehtüreffekt für Kliniken | |
Medizinische Versorgungszentren (MVZ) dienen Kliniken oft als Eintrittspforte für Patienten. Doch es geht auch anders: Das MVZ verhindert durch sein Leistungsangebot die Klinikeinweisung - bei drastisch niedrigeren Kosten.
Von Hauke Gerlof
BERLIN. In Deutschland gehen die Menschen nicht nur häufiger zum Arzt als in anderen Industrieländern, sie werden auch öfter im Krankenhaus behandelt, die Bettenkapazität sei hierzulande doppelt so hoch wie in anderen Ländern, sagte Professor Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik in München bei der 16. Netzkonferenz in Berlin. Die Veranstaltung wird vom Unternehmen UCB Schwarz Pharma Deutschland ausgerichtet. Dass diese höhere Bettenkapazität nicht für immer so bleiben muss, hat sich der Neurologe Dr. Lutz D. Lohse gesagt und daraus ein Konzept für ein MVZ entwickelt.
Die Hauptschwäche der ambulanten neurologischen Versorgung liege darin, dass Patienten häufig wochenlang auf einen Aufnahmetermin beim Neurologen warten müssen - und unter anderem dadurch häufig in der Klinik landen, sagte Lohse auf der Netzkonferenz vor etwa 200 Vertretern von Ärztenetzen in Deutschland. Ein MVZ könne diese Schwäche ausgleichen, wenn dort die Zusammenarbeit der Ärzte untereinander klappt und medizintechnisch alle Möglichkeiten vorhanden sind.
"Überspitzt gesagt: Die einzige neurologische Indikation für eine Einweisung ins Krankenhaus ist für mich TIA beziehungsweise Schlaganfall", sagte Lohse. Wenn dieser Anspruch eingehalten werde, könne im System viel Geld eingespart werden: Die Behandlung eines Patienten mit Enzephalitis disseminata koste stationär - je nach DRG - zwischen 1950 und 9750 Euro, sagte Lohse. "Wir machen das ambulant für 470 Euro, inklusive Lumbalpunktion und MRT."
"Wir", das ist das Neurologische Medizinische Versorgungszentrum NMVZ in Dresden. Die Einrichtung ist ärztlich geführt, nicht von einer Klinik. "Sonst hätten die Kollegen Angst", so Lohse. Mittlerweile verfüge das MVZ über 27 vertragsärztliche Stellen, darunter Neurologen, Psychiater, Allgemeinmediziner und Kardiologen. "Wir bemühen uns, dass die Patienten, die zu uns kommen, von acht bis 15 Uhr eine Komplettdiagnostik erhalten, inklusive Kardiologie. Aus dieser Diagnostik heraus werde dann die weitere Betreuung durch darauf spezialisierte Ärzte organisiert.
Wenn eine Klinik ein MVZ führe, würden die Patienten häufig in die Klinik zur weiteren Abklärung überwiesen, sagt Lohse. "Bei uns ist es so, dass das MVZ verhindert, dass Patienten in die Klinik kommen." Da gehe es natürlich auch um Marktmacht, so Lohse.
Um derartige Strukturen aufzubauen, müsse man zunächst in Vorleistung treten und Patienten außerhalb des bezahlten RLV behandeln. Das ändere sich aber auf Dauer über die RLV und über Kooperationen mit Kollegen, die ihr RLV nicht voll ausschöpfen. In Netzstrukturen, sei eine solche Struktur nur schwer aufzubauen, zeigte sich Lohse überzeugt. | |
Quelle: www.aerztezeitung.de | |