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So können Praxis-Chefs Mobbing-Opfern helfen

In der Anfangsphase sind die Anzeichen für Mobbing oft nur schwach ausgeprägt. Der Praxisinhaber muss hier unbedingt seinen Blick schärfen, um zu unterscheiden: Was ist harmlose Zwistigkeit und was ist schon zum schweren Konflikt eskaliert?
Dazu ist es notwendig, sich als Arzt mit seinen Mitarbeitern auseinanderzusetzen, ihre Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Eigenheiten zu kennen, um Veränderungen überhaupt bemerken zu können. Abweichungen können so am ehesten registriert werden.

Eine neutrale Ansprechperson für die Opfer ist sinnvoll

Und: Nur wer weiß, in welchen Verkleidungen Mobbing auftritt, wie es sich auswirkt und was das Verhalten der Täterinnen bestärkt, kann das Phänomen auch wahrnehmen. Mitarbeiterinnen müssen Kriterien an die Hand bekommen, um feindselige Kolleginnen, die Mobbing betreiben, rechtzeitig identifizieren zu können. Hier gilt es also, Aufklärungsarbeit zu leisten.

Da Mobbing-Opfer nicht immer die Kraft aufbringen, sich beim Arzt auszusprechen oder Mitarbeiterinnen um Hilfe zu bitten, ist eine neutrale Ansprechperson, die sich um das Opfer kümmert, sinnvoll. Eine mögliche Kontaktstelle wäre hier die Ehefrau des Arztes, sofern sie ebenfalls in der Praxis tätig ist. Dabei ist eine professionelle Gesprächsstrategie nötig. Beschwichtigende Worte allein reichen nicht aus.
Befindet sich das Mobbing in der Praxis schon in einer fortgeschrittenen Phase, ist es wichtig, dem Opfer zu helfen. Diese Hilfe sollte auf drei Ebenen erfolgen. Erstens: die Selbstständigkeit der Mitarbeiterin ausbauen, zweitens: für Entlastung bei ihrer Tätigkeit sorgen und drittens: sie als Person bestätigen.

Die Selbstständigkeit stärkt man, indem man der Mitarbeiterin Aufgabenbereiche überträgt, die ihrer Qualifikation entsprechen. Hier muss sie eigenverantwortlich arbeiten können, ohne in Abhängigkeit zu geraten von anderen Helferinnen, die womöglich noch die Mobbing-Täter sind. So schafft man dem Opfer Freiräume.
Für Entlastung sorgt, wer der Mitarbeiterin ausreichend Zeit zur Erledigung ihrer Aufgaben zugesteht. Unbedingt vermieden werden muss, Termindruck aufzubauen.

Nach erfolgreicher Erledigung der übertragenen Aufgaben hilft ein anerkennendes Lob, das angekratzte Selbstbewusstsein des Opfers wieder zu stärken. Wer dessen Leidensdruck ignoriert oder ihm gleichgültig gegenübersteht, spielt dem Mobbing-Täter in die Hand. Hier ist die Fürsorge des Praxis-Chefs gefragt.

Aber auch um den Gedanken an Mobbing in der Praxis gar nicht erst aufkommen zu lassen, kann der Praxisinhaber einige präventive Maßnahmen ergreifen. Er sollte Tätigkeiten so zuteilen, dass jede Mitarbeiterin innerhalb ihres Aufgabenbereiches ausreichend Handlungsspielraum und Autonomie erfährt.

Optimales Betriebsklima lässt Mobbing gar nicht erst entstehen

Nur Mitbeteiligung an Entscheidungen und Autonomie in bestimmten Grenzen befähigt die Mitarbeiterinnen, ihre Energien richtig zu kanalisieren und sie nicht für negative psychologische Spiele zu verwenden. Je mehr Eigenbestimmung jemand hat, desto schwieriger ist es, Mobbing zu betreiben.

Auch regelmäßige Umfragen zum Betriebsklima in der Arztpraxis können Mobbing im Vorfeld verdeutlichen. Vorbeugen ist immer besser als heilen. Ein optimales Betriebsklima ist der beste Präventionsfaktor gegen Mobbing.

Neid auf die erfolgreichere Kollegin ist das stärkste Motiv


 

Warum wird gemobbt?

Der Täter ist neidisch und wünscht sich mehr Anerkennung; das Opfer muss sich ständig verteidigen und leidet womöglich schon an Depressionen. Vor einer Mobbing-Situation darf der Praxis-Chef die Augen nicht verschließen.

Fast zwei Drittel der Mobbing-Täter sind Frauen. Hinter dem Kleinkrieg in der Arztpraxis steckt meist das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung. Wer nicht durch sehr gute Leistung dazu kommt, der versucht dann eben, die erfolgreichere Kollegin durch Mobbing zu demontieren.

Schon alltägliche Vorgänge können den Kleinkrieg auslösen. Kommt beispielsweise eine neue Kollegin in das Praxisteam, gerät schnell das zwischenmenschliche Gefüge aus dem Lot. Ist die Neue erfolgreicher als die anderen, kann man sie mit Mobbing "aus dem Rennen werfen".

Wer selbst keine Leistung bringt, schikaniert die Kollegin

Ursache von Mobbing ist vor allem Neid. Wer neidet, wird zum Unruhestifter, der etwas haben möchte, was ein anderer besitzt: das Gehalt, die Position oder die Fähigkeiten eines anderen. Durch Intrigen und andere Gemeinheiten kann man dem Beneideten Schaden zufügen und sich am Unglück des anderen weiden. Dadurch wird die eigene Situation wieder in ein besseres Licht gerückt. Der Gemobbte befindet sich immer in der Verteidigungsposition.

Ein Drittel seiner Gedanken kreist ununterbrochen um die Frage: Wie kann ich mich rechtfertigen? Für den Arzt als Vorgesetzten wird das Opfer unbequem. Es fällt negativ auf, weil es sich ständig verteidigen muss.

Entdeckt der Praxis-Chef außerdem eines oder mehrere der folgenden Symptome bei seiner Helferin, sollte er auch an Mobbing als Ursache denken: Depressionen, Schlafstörungen, ständige Müdigkeit, Kopfschmerzen, sinkendes Selbstbewusstsein, Appetitlosigkeit, Überempfindlichkeit, Übelkeit, Vergesslichkeit, Schwindelgefühle, Konzentrationsstörungen, Schweißausbrüche, innere Anspannung, Herz-Kreislauf-Schwierigkeiten, mangelnder Antrieb, Magen-Darm-Probleme.

Die Strategien der Täter und Täterinnen

Wer mobbt, macht Folgendes:

  1. Gespräche zwischen Kolleginnen werden sofort unterbrochen, wenn sich die Betroffene nähert. Oder Türen werden demonstrativ geschlossen.
  2. Die gemobbte Kollegin wird von den Tätern ignoriert.
  3. Anonyme, ehrverletzende Äußerungen finden sich auf Zetteln auf dem Schreibtisch oder nach dem Einschalten des Computers auf dem Bildschirm.
  4. Aufgaben, die für das Opfer schon immer problematisch waren oder für die es nicht die geeignete Ausbildung besitzt, werden ihm bewusst zugewiesen. Das Scheitern des Opfers wird gezielt herbeigeführt, um deutlich zu machen, dass das Opfer "fehl am Platze ist".
  5. Wichtige Informationen, auf die die Schikanierte wartet, werden unterschlagen.
  6. Sie muss Arbeiten unter ihrer Qualifikation ausführen.
  7. Arbeiten, die nicht in das eigentliche Aufgabengebiet gehören, müssen ausgeführt werden.
  8. Unterlagen des Opfers sind plötzlich unauffindbar

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