Top of this page
Skip navigation, go straight to the content
Nur wer seinen Hund kennt, kann ihn optimal trainieren
"Kleine Typologie der Schweinhunde" gefällig? Der Managementtrainer Marco von Münchhausen hilft uns auf die Sprünge. Jeder Mensch trägt einen für sich typischen Schweinehund mit sich herum. Und dieser Hund verleitet zu den eigentümlichsten Handlungen – meist gar nicht böse gemeint.
Die sieben Schweinhunde in alphabetischer Reihenfolge:
Der Arbeitsscheue
Sein Charakter: Er steht auf freizeitorientierte Schonhaltung und engagiert sich nicht mehr als unbedingt nötig. Der Arbeitsscheue ist ein ganz Bequemer. Der Job ist nicht zum Freunde haben, er dient lediglich dem nackten Gelderwerb. Dabei ist Teamarbeit nur lästig, denn sie verlangt Koordination und Verantwortung.
Die Taktik: Tja, man kann nicht verlangen, dass jeder die Arbeit zu seiner Priorität Nr. 1 macht. Parken Sie deshalb diesen Mitarbeiter auf einem Posten, der nur ein Mindestmaß an Anstrengung erfordert. Denn für Jobs, bei denen es auf Engagement und Mitarbeit ankommt, ist er ungeeignet.
Der Bedenkenträger
Sein Charakter: Neue Ideen und Verfahren? Ein Graus. Unsere Kreativbremse nimmt selbst den Kollegen die Arbeitsfreude. Er wacht über "falsche" und "übereilte" Entschlüsse und ist der Intimfeind alles Neuen. Sein Denken wird bestimmt von Sicherheit und Tradition.
Die Taktik: Besänftigen Sie ihn, indem Sie seine Bedenken ausdrücklich zur Kenntnis nehmen, ihm aber andererseits geduldig die Chancen neuer Ansätze aufzeigen. Beim nächsten Mal wird er schon etwas weniger bremsen.
Der Lastenträger
Sein Charakter: Er lässt sich alle möglichen Aufgaben aufbürden, auch nach Feierabend. Dabei springt er in kniffligen Situationen ohne zu zögern ein und ist deshalb im Team sehr beliebt. Der Nachteil? Er ist nicht zufrieden, denn er ist so auf Anerkennung aus, dass er sich ständig überanstrengt.
Die Taktik: Sagen Sie ihm nicht ins Gesicht, dass er kürzer treten soll. Er würde sofort in Panik geraten. Bieten Sie ihm stattdessen Ersatzfutter: Zeigen Sie ihm, dass seine Wertschätzung nicht nur von seinem Arbeitseinsatz abhängt. Mit ein bisschen Extra-Anerkennung stützen Sie sein Selbstbewusstsein.
Der Opportunist
Sein Charakter: Wie der Konfliktscheue geht auch der Opportunist Konflikten gerne aus dem Weg. Er hängt sein Fähnchen in den Wind. Denn es ist einfacher, sich an die Meinung des Vorgesetzten zu halten, als seine Karriere zu riskieren.
Die Taktik: Versuchen Sie, die Motivation des Opportunisten zu eruieren. Ist es die Lust am steilen Aufstieg? Dann animieren Sie ihn zu Höchstleistungen. Oder liegt der Opportunismus in einem schwachen Selbst? Dann ermutigen Sie ihn, eigenständig zu denken und zu handeln.
Der Prinzipienreiter
Sein Charakter: Er hat ein Lieblingsthema. Leider macht das aber nur einen Teilbereich seines Arbeitsspektrums aus. Auf diesem Thema reitet er herum. Inhaltlich wie formal. Er hat das Talent, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen und weiß, dass die Leistung seiner Kollegen hochgradig inakzeptabel ist. Als Einzelgänger ist er teamscheu.
Die Taktik: Da der Prinzipienreiter Kritik nicht verträgt, sollte man seinem Lieblingsthema wenigstens hin und wieder Aufmerksamkeit schenken – und ihn so stärker ins Team einbinden. Bringen Sie ihn zum Nachdenken, indem Sie ihn Sinn und Nutzen seiner Prinzipien begründen lassen.
Der Teamvermeider
Sein Charakter: Er ist ein Alleingänger, der sich überaus schwer tut, Arbeit zu delegieren. Teamsitzung? Fehlanzeige. Unser Schweinehund fehlt wegen anderer wichtiger Verpflichtungen. Auch möchte er am liebsten ohne lästige Kollegen Karriere machen: denn nur was er selber macht, ist gut gemacht.
Die Taktik: Werfen Sie diesen Eigenbrötler nicht hochkant aus dem Team. Machen Sie ihn zu einem kompetenten Fachmann für ein spezielles Fachgebiet. Damit wird er sich zu Ihrer Zufriedenheit Tag und Nacht beschäftigen. Und er wird zumindest ansatzweise zum Teamplayer, wenn er um Rat gefragt wird.
Der Wichtigtuer
Sein Charakter: Sag immer viel, ohne gefragt zu sein. Er ist in jeder Teamsitzung genauso dabei, wie bei jeder Diskussion. Sein Erkennungszeichen? Das klingelnde Handy. Mit Ratschlägen ist er für alles zuständig, aber nur, bis es an die Arbeit geht. Sein Problem: er muss sich ständig beweisen, weil er eigentlich schüchtern ist.
Die Taktik: Fragen Sie ihn um Rat und geben Sie ihm Repräsentationsaufgaben, die keiner gerne wahrnimmt. Ansonsten setzen Sie ihm klare Grenzen und konfrontieren ihn regelmäßig mit der Realität. Schließlich gibt es ja die Kompetenzen der Fachkollegen.
Fazit: Machen Sie in Ihrer Praxis Schluss mit "Das geht nicht!", "Das haben wir noch nie so gemacht!", "Das ist nicht mein Bereich!" und "Das ist nicht zu schaffen!"
So nehmen Sie die Schweinhunde an die Leine
Sieben Schritte zur Zähmung des Rudels:
Und erinnern Sie sich an den großen alten Schweinekundler Seneca: "Mehr als wir schon vollbracht haben, ist noch übrig, aber ein großer Teil des Fortschrittes ist es schon, fortschreiten zu wollen."
Zur Vertiefung sei empfohlen:
Marco von Münchhausen, Hermann Scherer: Die kleinen Saboteure – So managen Sie die inneren Schweinehunde im Unternehmen, Campus Verlag 2003, ISBN 3593372029.
Haben Sie Fragen zu diesem Thema oder wünschen Sie Informationen zu unseren Produkten?
Klicken Sie hier