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So hört man es in Talk-Shows und liest es in den Artikeln mancher Magazine: Ärzte sind skrupellose, geldgierige Banausen, die dem armen Mütterlein durch angstmachenden Verkaufsdruck irgendwelchen unwissenschaftlichen Unsinn aufdrängen. Doch entspricht das der Wahrheit?
Nein, denn fast alle Ärzte, die IGeL anbieten, tun damit nur eines: den Kassenpatienten nun anbieten, was Privatpatienten schon immer bekommen haben - eine optimale Diagnostik und Therapie, losgelöst von dem, was die Kassen noch zahlen können, wollen oder dürfen. Nicht das "IGeln" ist somit unanständig, sondern es nicht zu tun! Erst letzteres erzeugt doch die so häufig angeprangerte Zwei-Klassen-Medizin. Es nicht zu tun bedeutet, dem Privatpatienten selbstverständlich das Optimum anzubieten und dem Kassenpatienten nicht mal die Chance zu geben, sich dafür oder dagegen zu entscheiden.
Das die Kassen das Optimum nicht mehr bezahlen können, wird ständig deutlicher. Insbesondere die demografische Entwicklung der letzten Jahrzehnte, zusammen mit einer für die Kasseneinnahmen negativen wirtschaftlichen Entwicklung (weniger Einzahler und zusätzlich eine sinkende Lohnquote am Bruttoinlandsprodukt) führen zu relativen Mindereinahmen gegenüber früheren Zeiten. Die Reaktion der Kassen ergibt sich dadurch automatisch - ein Zwang zu Rationierung und Leistungseinschränkung.
Dabei wurde nicht in allen Leistungsbereichen gleichmäßig gespart. Der Anteil der Arzthonorare an den Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen lag in den 1970er Jahren noch bei 23%, inzwischen ist der auf zeitweise rund 16% abgesunken. Von dem Weniger was reinkommt, bekommen die Ärzte auch noch immer weniger ab.
In den letzten Jahren wurden daher von vielen Ärzten regelmäßig immer mehr Leistungen für ihre Kassenpatienten erbracht, die sie nicht bezahlt bekamen. Die auf Chip-Karte abgerechnete Diagnostik und Therapie darf schließlich nur "wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig" sein. Wirtschaftlich ist übrigens nicht das, was aus Kosten- und Ergebnissicht optimal ist, sondern schlicht das, was bezahlbar ist.
Inzwischen sind die Zahlungen der Kassen an die Vertragsärzte rund ein Drittel geringer, als es nach betriebswirtschaftlicher Kalkulation sein müsste. Das bringt viele Praxen in wirtschaftliche Bedrängnis und zwingt manchen Arzt dazu, die früher kostenlos für Patienten erbrachten Leistungen ihnen nun gegen Bezahlung anzubieten, um weiter nach bestem Wissen und Gewissen (be)handeln zu können.
Es ist an der Zeit, dass sich mehr Ärzte selbstbewusst gegen die Meinungsmacher stellen und mit offensiv vertretenen Angeboten im Bereich Prävention, Wohlbefinden und Attraktivität den Wünschen und Bedürfnissen eines großen Teils ihrer Patienten entsprechen. Niemand sollte sich einreden lassen, dass es unanständig ist, diese Wünsche zu erfüllen und diese Bedürfnisse zu befriedigen. Es ist in keiner Weise ehrenrührig, für erstklassige Arbeit in diesem Bereich ein angemessenes Honorar zu berechnen.
Beim Anbieten muss jedoch beachtet werden, dass es rechtliche und berufsrechtliche Aspekte zu berücksichtigen gilt. Vor allem aber sollten Arzt und Mitarbeiter wissen, wie sie Leistungen präsentieren und anbieten, damit es zum Erfolg und nicht zu Irritationen oder Missverständnissen kommt.
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