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Noch ist es nicht so weit. In internationalen Vergleichsstudien wird dem deutschen System zwar eine hohe Qualität bescheinigt, sagte Helga Kühn-Mengel, Patientenbeauftragte der Bundesregierung, auf dem diesjährigen Internistenkongress in Wiesbaden. Es gebe aber Defizite bei der Patienteninformation und der Koordination zwischen den Leistungserbringern. "Patienten klagen, dass Ärzte nicht über Behandlungsalternativen informieren und sie nicht nach ihrer Meinung fragen", führte Kühn-Mengel weiter aus. In Briefen an ihre Geschäftsstelle verlangten Patienten immer öfter, in die Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden. Shared Decision Making (gemeinsame Entscheidungsfindung) heißt das heute unter den Fachleuten.
Um mitentscheiden zu können, benötigen die Patienten bessere Informationen. Kühn-Mengel setzt dabei auf die neue Internetseite des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), www.gesundheitsinformation.de, die allerdings erst spärlich bestückt ist. Die Krankenkassen haben für diese Aufgabe Call-Center eingerichtet oder informieren auf ihren eigenen Internet-Seiten, sagte Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende der Ersatzkassenverbände.
Gilt auch für´s Internet: Nur wer richtig fragt, bekommt die richtigen Antworten
Skeptisch in Bezug auf die Online-Informationen zeigte sich dagegen Prof. Dr. med. Peter von Wichert, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die über 2000 Leitlinien im Internet veröffentlicht haben. Das Internet gebe nur richtige Antworten, wenn man die Fragen richtig stelle. Da seien Patienten aber überfordert. Die Qualität von Leitlinien könnten sie gar nicht beurteilen. Deshalb holten sie sich ihre Informationen etwa aus nicht geprüften Kasuistiken. Das aber sei der falsche Eintritt ins Informations-Zeitalter. Bis jetzt gibt es nur eine einzige für Patienten geschriebene Nationale Versorgungsleitlinie zu Asthma, mehr nicht.
Durchweg gute Erfahrungen mit den Patienten, die sich im Internet informieren, hat Dr. med. Andreas Hackelsberger gemacht, der in Wiesbaden als Internist in einer Gemeinschaftspraxis mit zwei Kollegen arbeitet. Das Internet sei in der Patient-Arzt-Beziehung bereits zu einer dritten Größe geworden, berichtete er. Die Patienten sind heute deutlich besser informiert als früher und fragen gezielt nach Behandlungsalternativen.
Offene Fragen der Internet-Recherche zu klären, kostet Zeit, hilft aber dem Patienten, sich in der Informationsflut zurechtzufinden
Hackelsberger ermuntert seine Patienten, sich des Internets zu bedienen. Er stellt Listen guter Websites zusammen, druckt sie aus und gibt sie den Menschen als "virtuelle Prospekte" mit, um die Recherche im Internet zu kanalisieren. Hinweise auf solche guten Webseiten finden Ärzte unter www.discern.de Er bietet den Patienten an, ein oder zwei wichtige Fragen aus der Internet-Recherche mit ihnen zu besprechen, macht aber zugleich klar, dass das Zeit kostet. Das Shared Decision Making hält er vor allem dann für sinnvoll, wenn es um eine langfristige Behandlung geht und es mehrere gleichwertige Behandlungsalternativen gibt.
Wieviel Führung und Aufwand die Patienten benötigen, ist individuell unterschiedlich. Auf jeden Fall ist es nicht zeitneutral. Doch am Ende gibt es auch einen Nutzen für den Arzt, der sich dieser Instrumente bedient: Sie erhöhen die Attraktivität der Praxis.
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