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Ab kommendem Jahr werden in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) Patienten als "Mini-Mediziner" ausgebildet und zertifiziert.
Einige Ärzte befürchten deshalb, mit komplizierten "Berufs-Patienten" konfrontiert zu werden, wenn dem Dr. med. künftig der akademisch qualifizierte Pat. med. gegenüber steht.
Am Anfang der Patient/Arzt-Beziehung stand der unmündige Patient. Der wollte schlicht Hilfe und vertraute sich dem gebildeten Arzt an. In der Neuzeit wurde aufgerüstet und dem Arzt der mündige Patient präsentiert, der auf seine Rechte pocht und bei der Behandlung ein Wörtchen mitsprechen will und soll.
Die nächste Stufe ist der informierte Patient. Der ist ein Produkt des Internet-Zeitalters, surft durch das weltweite Netz und versieht sich mit allen erreichbaren Informationen unterschiedlichster Art und Qualität über seine Krankheit. Anschließend taucht er mit seinem im Worldwideweb angeeigneten Wissen in der Praxis auf und stellt den Doktor auf die Probe.
Für den Arzt hat das erhöhten Zeitaufwand in der täglichen Arbeit zur Folge, weil er sich mit den Internet-Informationen des Patienten auseinandersetzen und die Spreu vom Weizen trennen muss. Im schlimmsten Fall ist der Internet-Patient sogar auf einem aktuelleren Wissensstand als sein Doktor - ein herber Schlag für das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt.
Die Patienten-Uni als Zukunftsmodell
Jetzt geht man noch einen Schritt weiter: in der Gestalt des akademisch, mit einem Zertifikat ausgestatteten Patienten. Die Abteilung Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Leiter Prof. Dr. med. Friedrich-Wilhelm Schwartz, führt demnächst eine "Patienten-Universität" ein, in den Augen von Schwartz-Mitarbeiterin Prof. Dr. rer. biol. hum. Marie-Luise Dierks ein Zukunftsmodell.
Eine angemessene Gesundheitsbildung, Beratung und Schulung von Patienten und Bürgern sei zwingend erforderlich, erklärte sie auf einer Fachtagung des Bundesverbands Managed Care (BMC) in Berlin, "um Gesundheit im täglichen Leben managen zu können, tragfähige Entscheidungen zu treffen, Gesundheitsbelange zu kommunizieren und sich so im Gesundheitssystem zu bewegen, dass es bestmöglich genutzt werden kann".
Das sind die Ziele und das Curirculum
In der MHH-Fachsprache lauten die Ziele:
Diesen Zielen dient ein Curriculum für Patienten unter der Bezeichnung "MiniMed". Da lernen sie eine ganze Menge über eine Vielzahl von Krankheiten, über den Körper, über Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln, therapeutische und präventive Möglichkeiten. Sie können das komplette Lehrangebot buchen oder sich Teile herauswählen.
Damit der gewöhnlich berufstätige Bürger das MiniMed-Studium auch nutzen kann, finden die Kurse am Abend bzw. am Wochenende in der MHH statt. Im Februar soll das erste Seminar mit 120 Teilnehmern starten, sagte Dierks. So etwas gibt es im Grunde auch in jeder Volkshochschule als Angebot, aber eben nicht strukturiert und ohne akademische Würden. In der MHH können Lernwillige das Attribut "Volks-" abstreifen und in der Hochschule bleiben.
Das strukturierte Curriculum wird ergänzt durch ein freies Vortragsprogramm, das politisch und wissenschaftlich interessante Themen rund um Gesundheit und Krankheit aufgreift.
Dierks: Es geht nicht um "Berufs-Patienten"
Die "MiniMediziner" lernen natürlich auch, wie sie am besten mit Ärzten und Pflegepersonal kommunizieren. Es gehe keineswegs darum, jetzt "Berufs-Patienten" zu schaffen, beteuerte Dierks in Berlin. Aber die akademisch qualifizierten Patienten von der MHH wären ihrer Ansicht nach zum Beispiel gut geeignet als Patienten-Vertreter in den verschiedensten Gremien, nicht zuletzt im Gemeinsamen Bundesausschuss, einem entscheidenden Selbstverwaltungsgremium innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
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