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Viele IGeL laufen im rechtsfreien Raum

Bei der Mehrheit der privaten Zusatzleistungen (63,6 %), so das WIdO, unterblieb die erforderliche schriftliche Vereinbarung zwischen Arzt und Patient vor der Behandlung. Ein Fünftel der erbrachten Leistungen erfolgte ohne Rechnung.

Dies sind Ergebnisse einer aktuellen Analyse zur Entwicklung im IGeL-Markt. Sie basiert auf einer bundesweiten telefonischen Befragung von 3.000 gesetzlich Krankenversicherten. Danach haben etwa 18 Millionen Patienten (25,2 % der Versicherten) im Laufe der letzten zwölf Monate in einer Arztpraxis eine IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung) angeboten respektive in Rechnung gestellt bekommen (zahnärztliche Leistungen ausgenommen).

Umsatz im IGeL-Markt: eine Milliarde Euro

Die aktuellen Zahlen, so WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber, bewegten sich nach wie vor auf einem hohen Niveau, das sogar noch leicht angestiegen sei. Insgesamt werde mit IGeL - hochgerechnet - ein Umsatz von rund einer Milliarde Euro erzielt.

Bei den Angaben zu den einzelnen IGeL zeigt sich eine große Bandbreite. An der Spitze liegen mit einem Anteil von 19,7 Prozent Ultraschalluntersuchungen, gefolgt von Augeninnendruckmessungen (14,6 %) und ergänzenden Krebsfrüherkennungsuntersuchungen bei Frauen (13,8 %). Auf diese drei Leistungsgruppen entfällt nahezu die Hälfte der angebotenen Leistungen.

Gynäkologen und Augenärzte setzen stark auf IGeL

Fachärzte machen im Vergleich zu Allgemeinmedizinern deutlich mehr private Leistungsangebote. Am häufigsten bieten Gynäkologen und Augenärzte IGeL an. An dritter Stelle werden die Urologen genannt, gefolgt von Hautärzten und Orthopäden.

Wie bereits in der letzten Erhebung zeigt sich nach WIdO-Angaben auch aktuell wieder eine deutliche soziale Differenzierung beim Angebot von IGeL: Patienten mit überdurchschnittlicher Bildung und höherem Einkommen bekommen IGeL deutlich häufiger angeboten.

So bekam in den unteren Einkommensgruppen (bis 1.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen) nur etwa jeder Sechste Privatleistungen vorgeschlagen (14,9 %), während in den höheren Einkommensgruppen (über 4.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen) mehr als ein Drittel der Befragten (37,0 %) über eine entsprechende Offerte ihres Arztes berichtet. Patienten mit hoher Schulbildung werden doppelt so häufig private Zusatzleistungen angeboten (33,4 %) wie Patienten mit einfacher Schulbildung (16,8 %).

Gibt es Probleme beim Arzt-Patienten-Verhältnis?

"Wenn Ärzte als Verkäufer von sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen auftreten, werden Patienten zu Kunden, die eine Leistung aus eigener Tasche zahlen", sagt Studienleiter Klaus Zok: Drei Viertel der Versicherten mit IGeL-Erfahrung befürchten eine Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Arzt und Patient durch die Zusatzangebote.

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