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"8 goldene Regeln" oder wie man Patienten über Risiken aufklärt

Die Wahrnehmung eines Risikos durch den Patienten hängt entscheidend von der Art ab, wie Sie das Risiko kommunizieren. Patienten begreifen Risiken eher über einen emotionalen Zugang denn über Fakten. In anderen Worten: Der Gesprächskontext spielt eine entscheidende Rolle beim Verständnis. Gespräche über Risiken sollten vom Mediziner mit Kompetenz und vor allem Fürsorge geführt werden.

Die Wahrnehmung der Botschaft beim Patienten muss erhöht werden - ob es dabei um persönliche Risikofaktoren des Patienten oder um die Risiken einer Intervention geht, macht dabei durchaus einen Unterschied. Aus einer Toolbox mit 8 goldenen Regeln können Sie die jeweils passende Taktik auswählen:

(1) Erklären Sie generelle Risiken allgemein gültig

Beispiel

Nutzen Sie Analogien, um Ihren Patienten den Zusammenhang zwischen Rauchen und Blasenkrebs klar zu machen. Beispiel Straßenverkehr: Je größer das Risikoverhalten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit bei einem Autounfall ums Leben zu kommen – vom Fahren ohne Sicherheitsgurt, über überhöhte Geschwindigkeit bis hin zum Überfahren roter Ampeln.

Das heißt nicht, dass dieses Verhalten unweigerlich zum Tode führt, aber erläutern Sie Ihrem Patienten, dass das Risiko deutlich steigt.

(2) Nutzen Sie anschauliche Beispiele oder Vergleiche: Unterstützen Sie die Vorstellungskraft des Patienten, um ihn von der Größe eines Risikos zu überzeugen

Beispiele

- Werfen Sie eine Münze: Machen Sie damit deutlich, dass das Mortalitätsrisiko durch jahrelangen Zigarettenkonsum bei 50% liegt. - Verwenden Sie Vergleiche: Setzen Sie das niedrige Risiko einer klinischen Untersuchung in Relation zur Autofahrt in die Klinik – die statistisch das größere Risiko birgt. - Stellen Sie Wahrscheinlichkeiten in Relation zu alltäglichen Risiken: Vergleichen Sie z. B. das Risiko einer tödlichen Nebenwirkung mit der Wahrscheinlichkeit, im Lotto zu gewinnen (1:20 Millionen).

(3) Machen Sie Sachverhalte sichtbar: Verstärken Sie die Wirksamkeit Ihrer Erklärungen durch visuelle Hilfsmittel

Beispiel

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Der Blick auf den Ultraschall der Prostata, der Blase oder der Niere liefert einen anschaulichen Beleg für deren Situation – und dem Patienten einen beeindruckenden Beweis für Ihre Worte.

(4) Ergänzen Sie verbale Erklärungen durch Daten: Verwenden Sie absolute Zahlen und nicht relative Risiken oder Prozentzahlen

Beispiele

- Sagen Sie nicht: Ein männlicher Patient zwischen 35 und 65 Jahren hat auf Grund seiner Risikofaktoren ein Nierensteinrisiko > 20% innerhalb der nächsten 10 Jahre. Sagen Sie lieber: Von 1.000 Männern mit einem vergleichbaren Risikoprofil entwickeln innerhalb von 10 Jahren 713 einen Nierenstein. - Vermeiden Sie auch Aussagen wie: Mit dem Verfahren A können 3-mal so viele Patienten geheilt werden wie mit dem Verfahren B. Ohne Bezugsgröße kann der Patient damit nichts anfangen.

(5) Verwenden Sie immer die gleiche Bezugsgröße, für positive wie für negative Resultate: Bevorzugen Sie aber positive Formulierungen

Beispiel

Sie wollen Ihrem Patienten seine Überlebenschance darstellen? Sagen Sie: "97 von 100 Personen werden geheilt" statt: "3 von 100 Menschen versterben".

Das bedeutet im Übrigen nicht, den Pfad der Wahrheit zu verlassen: Jede vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung basiert auf Aufrichtigkeit.

(6) Nutzen Sie Entscheidungshilfen: Betonen Sie beispielsweise die Vorteile einer Intervention

Beispiel

Reden Sie über den Evidenz-Grad einer Therapie. Geben Sie dem Patienten durch Zahlen die Sicherheit, dass die Vorteile die theoretischen Nachteile überwiegen. Erklären Sie ihm z. B., dass von 1.000 Hochrisikopatienten ohne adäquate Therapie innerhalb von 10 Jahren 100 mit hoher Wahrscheinlichkeit sterben. Dass durch Risikosenkung aber von diesen 100 potentiellen Toten etwa die Hälfte überlebt.

(7) Stellen Sie sicher, dass die Zustimmung Ihres Patienten auf Verständnis und Überzeugung jenseits reiner Fakten beruht: Nur ein "Informed Consent" trägt

Beispiel

Haken Sie nach, lassen Sie ihn wiederholen, was er aus Ihren Erklärungen mitgenommen hat. Lassen Sie ihn seine Entscheidung für die Therapie und für seine Mitarbeit begründen.

(8) Demonstrieren Sie, wie sich geringfügige Verbesserungen langfristig positiv auswirken

Beispiel

Es ist für Patienten schwer nachvollziehbar, welchen Effekt Lifestyle-Modifikationen und die Reduzierung von Risikofaktoren haben. Vergleichen Sie Ihre Tätigkeit mit der eines Vermögensberaters: Dieser bespricht mit dem Anleger regelmäßig, wie das Vermögen investiert wird und welcher Gewinn zu erwarten ist. Jeder weiß, dass eine geringfügige Veränderung des Ertrags von 4% auf 6%, im Laufe von 20 Jahren einen großen Profit abwirft.
In gleicher Weise verbessern gesundheitsrelevante Entscheidungen wie Steigerung der Trinkmenge, Gewichtsreduktion oder Kontrolle der Lipid- und Blutdruckwerte die Gesundheit Ihres Patienten über die Jahre deutlich.

Erleichtern Sie Ihren Patienten die Einschätzung ihres persönlichen Risikos. Ermöglichen Sie ihnen mit ein paar Tricks ein besseres Verstehen. Häufig geht es dabei nicht um das: "Was sage ich?", sondern um das: "Wie sage ich es am besten?" Dieser kleine Unterschied kann für Ihre Patienten sehr bedeutend sein. Schließlich wollen wir alle verstehen, was man uns sagt. Speziell, wenn es um unsere Gesundheit geht.

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