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Compliance Teil 1: Der Arzt ist der Schlüssel

Im angelsächsischen Sprachraum setzt sich deshalb immer mehr der Begriff Adherence (engl. für festhalten, befolgen) durch. Im Deutschen auch als Adhärenz bezeichnet, geht es hier um die Einhaltung der gemeinsam von Patient und Arzt gesetzten Therapieziele.

Alles eine Frage der richtigen Strategie!

Die Förderung der Adherence ist nichts einmaliges, sondern ein Prozess. Ziel ist, den Patienten zu bewegen,

  • seine Krankheit möglichst vollständig zu akzeptieren
  • die Therapie in sein Leben zu integrieren
  • Medikamente wie verordnet anzuwenden

Die folgenden fünf Strategiepunkte erfordern eine individuelle Anpassung in Abhängigkeit von Erkrankung, Therapie und Patient:

I. Optimierung der Arzt-Patient-Beziehung

Beispiel: Herr Adam, ein Patient mit überaktiver Blase, kommt zu Ihnen. Er hat bereits eine orale Behandlung abgebrochen. Reden Sie mit ihm: Ihr Einfühlungsvermögen und Ihre Gesprächskompetenz entscheiden über seine Compliance. Erläutern Sie ihm die guten Erfolgsaussichten innovativer Therapien und einigen Sie sich gemeinsam auf einen neuen Versuch.

Tipp: Nehmen Sie sich besonders am Anfang Zeit für den Patienten. Diese Zeit gewinnen Sie im Laufe der Behandlung vielfach zurück. Mehr als ein Drittel der Patienten folgt dem Arzt nicht, weil das Vertrauen fehlt und die Beziehung gestört ist.

II. Information, Motivation und Edukation des Patienten

Beispiel: Herr Adam weiß nicht, dass 60% aller Patienten die orale Therapie abbrechen. Er denkt, er sei der Einzige und hat neben seinem Blasenproblem nun noch ein schlechtes Gewissen. Sagen Sie ihm, dass Abbrüche häufig vorkommen. Schaffen Sie Vertrauen durch Information und motivieren Sie ihn: „Inzwischen gibt es Medikamente, bei denen 90% der Patienten die Therapie gut oder sehr gut vertragen und von sich aus gerne fortsetzen.“

Tipp: Klären Sie Ihre Patienten über Krankheit, Therapie, Nutzen der Medikamente und Schaden bei Nichtanwendung genau auf. Der wichtigste Grund für die fehlende Therapie-Kooperation liegt in der vorgefassten Meinung des Patienten.

III. Genaue Handlungsanweisungen und Techniken der Verhaltensmodifikation

Beispiel: Falls Sie Herrn Adam zur Blasenkontrolle ein Pflaster empfehlen, machen Sie es ihm einfach: „Wechseln Sie das Pflaster “MoDo“, also Montag und Donnerstag. Wir machen einen Test von zwei Monaten. Dann kommen Sie wieder und wir reden offen über Ihre Erfahrungen. Seien Sie für diese Zeit wirklich konsequent! Dann müssen Sie sehr wahrscheinlich weniger oft auf die Toilette, lassen dabei aber mehr Wasser.“

Tipp: Bauen Sie dem Patienten Eselsbrücken und schließen Sie mit Ihm einen Verhaltensvertrag. Verstärken Sie das erwünschte Verhalten durch Empathie.

IV. Einübung der Selbstkontrolle des Patienten plus Therapieanpassung

Beispiel: Fordern Sie Herrn Adam auf, seine Inkontinenz-Episoden und die Anzahl täglicher Miktionen während der Therapie in einem Tagebuch zu protokollieren. Anfangen sollte er mit der Aufzeichnung bereits vor der ersten Dosis. Die guten Erfolge lösen eine positive Rückkoppelung aus.

Tipp: Sehen Sie Ihre Patienten regelmäßig zur Bewertung des Krankheitsverlaufs. Nutzen Sie eine patientenzentrierte Erfolgkontrolle und nehmen Sie den Patienten ernst. Halten Sie also auch Lösungen bei kleinen Problemen (z. B. NW) bereit.

V. Spezifische Interventionen

Beispiel: Herr Adam löst das Rezept gar nicht ein (20% aller Patienten) oder geht zwar in die Apotheke, verwendet das Medikament aber nicht oder nicht vorschriftsmäßig (50-80% aller Patienten).

Tipp: Mobilisieren Sie soziale Unterstützung. Alle Partner müssen an einem Strang ziehen: Urologe, Patient, Angehörige, Apotheker, Pflegepersonal. Wer von seinem Patienten hohe Therapie-Motivation erwartet, muss stark interaktiv und kommunikativ agieren.

Ohne Arzt wird kein Patient adhärent

„Grundlage zur Lösung des Compliance-Problems ist es, den Patienten in seinem scheinbar „unsinnigen“, selbstschädigenden Verhalten verstehen zu lernen“, schreiben Heuer und Heuer in Ihrem Buche ‘Compliance in der Arzneitherapie‘. Patienten haben für dieses unsinnige, selbstschädigende Verhalten gute Gründe.

Für den Urologen ist es wichtig, diese Gründe aufzuspüren und zu verstehen. Gemeinsam mit dem Patienten und seinem Umfeld gilt es dann, diese Ursachen der Non-Compliance zu beseitigen. Erfolg stellt sich nur ein, wenn der Patient von der Notwendigkeit der Therapie und seiner aktiven Mithilfe überzeugt ist. Der erste Schritt auf den Patienten zu, liegt jedoch beim Arzt.

Quelle

Heuer, HO, Heuer, S, Lennecke, K (1999) Compliance in der Arzneitherapie. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; Preis: 24,50 € (http://www.dav-buchhandlung.de )

Compliance Teil 2: Tipps und Tricks

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